1528 und 1545: Martin Agricola

Die nächste Quelle, Musica instrumentalis deudsch, ist 1528 und 1545 von Martin Agricola in Wittenberg veröffentlicht worden.465: Martin Agricola, Musica instrumentalis deudsch. Erste und vierte Ausgabe, Wittenberg 1528 und 1545. In neuer dioplomatisch genauer, zum Teil faksimilierter Ausgabe. Leipzig 1896. Die Abbildungen befinden sich auf fol. xiii r (1528) und auf fol. 25v 1545). Sie befasst sich nur mit der Querpfeife und bringt nicht mehr nur eine einzelne Instrumentengrösse, sondern vier verschiedene - je für die entsprechenden Stimmlagen Diskant (Sopran), Alt, Tenor (nur sehr wenig länger als das Alt-Instrument) und Bass -mit drei unterschiedlichen Stimmungen für Diskant, Mittelstimmen (Alt und Tenor) und Bass.466: Vgl. dazu die ausführlichen Untersuchungen von Anne Smith. Die Renaissancequerflöte und ihre Musik. In: Basler Jahrbuch für historische Musikpraxis 2 (1978). S. 13 ff. Hier finden wir eine für das Instrumentarium der Renaissance übliche Familie von gleichen Instrumenten, in der jeder Stimmlage eine bestimmte Instrumentengrösse zugeordnet ist.

Agricola unterscheidet nicht zwischen Quer- oder Schweizerpfeife und teilt nichts über ein mögliches Zusammenspiel mit der Trommel mit. Der abgebildete Instrumententyp entspricht jenem bei Virdung, doch dürfte sich in der Zwischenzeit, seit 1511, die Erweiterung von einem einzelnen Instrument zu einer ganzen Familie mit drei verschiedenen Instrumentengrössen vollzogen haben. Dafür sprechen nicht nur die eben genannten Kriterien, sondern etwa auch die bekannte Federzeichnung von Urs Graf für das Neujahr 1522/23, auf der deutlich drei verschieden grosse Querpfeifen zu sehen sind, oder verschiedene erhaltene Instrumente, die heute in Verona, Brüssel und Wien aufbewahrt werden.467: Die Federzeichnung wird in der Öffentlichen Kunstsammlung Basel aufbewahrt; sie wurde als Neujahrsgruss an den Goldschmied Jörg Schweiger angefertigt. Zu den erhaltenen Instrumenten siehe Jeremy Montagu, The World of Medieval an Renaissance Musical Instruments, London-Vancouver 1976, S. 99, sowie Filadelfio Puglisi, The Renaissance Flutes of the Bibliotheca Capitolare of Verona: The Structure of a Pifaro. In: The Galpin Society Journal 32 (1979), S. 24-37.

 

Federzeichnung von Urs Graf (1522/23)

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